Danny

Danny
1991 - 17.07.2007
Russischer Traber
Lieber Danny,
wir kannten uns vielleicht nicht lange und nicht besonders gut, doch Du gehörtest für mich einfach dazu. Ohne Dich fehlt ein ganz großes Stück und nichts ist so, wie es einmal war.
Du warst der beste Freund meiner Reitbeteiligung Cia, Ihr habt lange Zeit zusammen gestanden. Ich kannte Dich dagegen nur 3,5 Jahre.
Es passierte, als Deine Besitzerin im Urlaub war. Am 15. Juli 2007 habe ich zum letzten Mal aktiv etwas mit Dir gemacht. Es war ein heißer Tag, und am späten Nachmittag habe ich Dich und Cia von der Weide geholt, um Euch die Hufe auszukratzen und Euch die Beine abzuspritzen. Danach wollte ich Euch beide zusammen wieder rausbringen, doch irgendwie wolltet Ihr Euch nicht zusammen führen lassen. Ich habe damals zu Euch gesagt, Ihr würdet wie kleine Kinder sein: "Öh, ich möchte nicht neben einem Jungen gehen!" - "Öh, ich möchte nicht so nah bei einem Mädchen sein!". Das Ganze jedoch leider in einem nicht ganz so freundlichem Ton. Ich weiß nicht, warum ich an diesem Tag so genervt von Euch beiden war.
Am nächsten Tag kam Deine Reitbeteiligung früher aus dem Urlaub zurück als geplant. Sie stand lange bei Dir draußen und hat Dich gestreichelt und betüddelt. Viel länger als sonst. Und obwohl ich eigentlich nach Hause wollte, war ich nicht ungeduldig. Vielleicht haben wir alle im Unterbewusstsein irgendwo gemerkt, dass es nicht mehr lange so schön sein sollte.
Am nächsten Tag, es war Dienstag, der 17. Juli 2007, war immer noch tolles Sommerwetter, doch nicht mehr so heiß. Ich hatte mir vorgenommen, Deine Reitbeteiligung zu fragen, ob wir mit Dir und Cia etwas ohne Sattel ins Gelände gehen wollen. Ich stellte mir das wunderschön vor. Der Sommer mit Euch Pferden waren immer ein Traum.
Ich fuhr also mit dem Fahrrad in den Stall, wie jeden Tag fuhr ich an den Weiden vorbei. Dort sah ich ein Pferd liegen und Deine Reitbeteiligung daneben sitzen. Ich dachte mir, dass Du Dich vielleicht zum Dösen hingelegt hättest und sie Dich nicht direkt aufscheuchen wollte.
Auf der Hofeinfahrt kam mir eine Miteinstellerin entgegen. Ich fragte sie, was los sei. Sie sagte mir, dass Du gestorben seist. Mit einem Mal nahm es mir die Luft zum Atmen. Ich begann zu heulen und konnte es nicht glauben. Sie erzählte mir noch, dass Du Dir das Bein gebrochen hättest und Deine Besitzerin aus dem Urlaub per Telefon zugestimmt hätte, Dich einschläfern zu lassen. Zum Schluss bat sie mich noch, nicht zu Dir zu gehen, denn ich solle Dich doch in lebendiger Erinnerung behalten.
Ich hörte nicht auf sie und machte mich auf den Weg zur Weide. Du lagst da so friedlich, als würdest Du nur schlafen. Am liebsten hätte ich Dich geschüttelt und angeschrien, dass Du mit dieser Show aufhören sollst. Ich konnte einfach nicht begreifen, dass Du für immer von uns gegangen bist. Das ganze Leben kam mir in diesem Moment so unfair vor, so, als würde ohne Dich nichts mehr einen Sinn machen.
So saßen wir etwa 20 Minuten bei Dir, streichelten Deinen Kopf und weinten leise.
Mit einem Mal war alles anders. Wir hatten doch noch so viel geplant und plötzlich bist Du nicht mehr da. Erst mit Deinem Verlust habe ich gemerkt, wie viel Du mir bedeutest hast. Du hinterlässt eine riesengroße Lücke und nichts ist mehr so, wie es einmal war.
Deine Sachen hängen immer noch genauso in der Sattelkammer wie immer. Sie werden mittlerweile von Deinem Nachfolgepferd Tini benutzt. Doch wenn man die Sachen da so hängen sieht, ist es so, als wärest Du noch da.
Überhaupt, es gibt immer wieder ganz kleine Momente, in denen es sich ganz genau so anfühlt wie früher. Doch Sekunden später wird man von der bitteren Realität eingeholt. Unser Danny ist nicht mehr. Das zu begreifen, fällt mir unendlich schwer.
Danny, es tut mir Leid, dass ich zuletzt so unfreundlich zu Dir war. Ich wünschte, ich könnte das rückgängig machen und Dir all die Dinge sagen, die ich Dir immer verschwiegen habe. Verzeih mir, Großer.
Ich wünsche Dir, dass es da, wo Du jetzt bist, unendliche Wiesen zum Futtern, Stoppelfelder zum Galoppieren und Pfützen zum Rumpatschen gibt. Ich wünsche es Dir von ganzem Herzen.
Dein Nachfolgepferd hilft uns, ein bißchen den Schmerz zu vergessen, doch sie wird niemals den Platz in unseren Herze haben, den Du innehattest. So eine Marke wie Dich gibt es kein zweites Mal.
Mach es gut, Danny! Irgendwann sehen wir uns wieder !
Annabel



